Saphiro's Blog

My Pascale Artikel Oktober 2005

Der Jahreskreis der Wicca und der Hexen

Der Kreislauf der Jahreszeiten, der Übergang und der Wechsel vom scheinbar toten Winter zum lebendigen Sommer und wieder zum toten Winter gehört zu den wichtigsten Erfahrungen und Erlebnissen der Wicca. Denn immerhin ist Wicca eine Naturreligion! Durch das immer wiederkehrende zyklische Erleben hat sich die Vorstellung eines „Jahreskreises“ oder auch „Jahresrades“ entwickelt.



Wie ein Rad mit acht Speichen
Dieses Rad besitzt acht Speichen, angeordnet wie in einem Wagenrad. Jede Speiche ist eine Station – ein Jahresfest, auch Sabbat genannt. Vier dieser acht Feste trifft man genauso im modernen Kalender an, in unserer Zeit sind sie der Beginn der vier Jahreszeiten: März, Juni, September und Dezember. Der Wicca- und auch der Heidenkalender begreifen diese Feste jedoch nicht als Anfang, sondern als Höhepunkt der jeweiligen Jahreszeit - man denke hier auch an die überlieferten Begriffe Mittsommer und Mittwinter. So wird Anfang Februar der Frühling, Anfang Mai der Sommer, Anfang August der Herbst und Anfang November der Winter gefeiert. Und obwohl sich nicht alle Wiccas und Hexen darüber einig sind, ob diese Feste im Datum variieren können oder ob sie fest sind, haben sich dennoch schließlich folgende Daten als Festtage herauskristallisiert:

Die acht Jahreskreisfeste
02.02 Imbolc
21.03. Ostara (Frühlings-Tag-und-Nacht-Gleiche)
30.04/01.05 Beltane (Walpurgisnacht)
21.06 Litha (Mittsommer)
01.08 Lammas
21.09 Mabon (Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche)
31.10. Samhain (Halloween)
21.12 Yule (Mittwinter)

Vielen Wiccas und Hexen ist bekannt, dass diese Anpassung der Daten an den Kalender nicht ganz mit der astronomischen Uhr, dem Stand der Erde zur Sonne, übereinstimmt. Die Daten zu den Festen Ostara, Litha, Mabon und Yule können in jedem Jahr variieren und zwischen dem 20. bis zum 23. des jeweiligen Monats liegen. Auch ist man sich nicht ganz einig, wann man feiert. Es gibt Wiccas und Hexen, diee den alten Brauch der Kelten übernommen haben, schon am Vorabend mit den Festlichkeiten zu beginnen, da nach ihrer Meinung der neue Tag schon mit dem Anbruch der Nacht beginnt. Andere, daran gewohnt, dass der 1. Mai z.B. erst 1 Sekunde nach Mitternacht anfängt, feiern oft tagsüber und so vermeintlich einen Tag später.

Samhain – Das Fest der Toten
Dieses Fest wird von Wiccas und Hexen am 31. Oktober nach Sonnenuntergang begangen.
Samhain ist ein irischer Begriff und bedeutet „das Ende des Sommers“ und steht sowohl für den Anfang des Winters (Anfang November), als auch für den Anfang des keltischen neuen Jahres und wird von vielen als das „dritte Erntefest“ bezeichnet, das zugleich das Ende der Erntezeit einläutet (das erste ist Lammas, das zweite Mabon). Samhain ist auch das Fest des Abschieds, des Opfers, des Tods und der Todes- und Unterweltgottheiten.

Für die meisten Menschen ist es schwer vorstellbar, den Tod zu feiern, wo doch unsere Gesellschaft alles, was mit ihm in Verbindung steht, weit von sich weg schiebt um nicht darüber nachzudenken. Wiccas und Hexen aber stehen dem Tod nicht ablehnend gegenüber, wir haben ihn als das akzeptiert was er ist: Ein Bestandteil des Lebens. Das heißt nicht, dass wir herzlos oder kalt wären – auch wir trauern um verlorene Freunde, verstorbene Familienmitglieder oder das Haustier. Aber wir sehen den Tod auch als Übergang: Die Seele, der Geist oder wie immer man es nennen mag, bekommt die Gelegenheit, sich im Jenseits von der Inkarnation zu erholen, die gemachten Erfahrungen zu verarbeiten und sich dann irgendwann zu entscheiden, ob sie wieder reinkarniert.

Früher wurden an diesem Tag alle schwachen Tiere getötet, die den Winter nicht überlebt hätten. Dieses Fleisch wurde geräuchert, gepökelt oder auf andere Weise haltbar gemacht, um während der bevorstehenden Jahreszeit als Nahrung zu dienen. Die Legende berichtet, dass in dieser Nacht von den Druiden auch Menschenopfer dargebracht wurden.

Menschenopfer gehören zu den frühen Stufen fast aller Religionen. Eine ihrer Grundformen war das Selbstopfer, das später durch das Gefangenenopfer ersetzt und schließlich im Laufe der Zeit durch Tieropfer abgelöst wurde. Der helle Schein der Opferfeuer sollte nicht nur eine gute Ernte im kommenden Jahr garantieren, sondern auch böse Geister und Dämonen vertreiben, die, laut der Glaubensvorstellung, in dieser Nacht über die Erde wanderten sollten.

Da dieses Fest auch das Ende und den Neuanfang eines neuen Jahres symbolisierte, wurde nn jedem Haus jede Feuerstelle und jedes Feuer gelöscht. Damit war der „Tod des alten Jahres“ symbolisch dargestellt. Nach Mitternacht wurden die Feuerstellen wieder entzündet, allerdings durfte dies nur mit einem, speziell für diesen Anlass entfachtem, heiligen Feuer getan werden.

Das Christentum führte an Stelle dieses Festes „Allerheiligen“ ein. Da keltische Feste meistens am Vorabend, nach Sonnenuntergang, begannen, wurde dieser Abend durch das heute bekannte „Halloween“ (Abend vor Allerheiligen) „ersetzt“. Das Wort Halloween selbst ist eine Verballhornung des Begriffs „All Hallows Eve“, welches viel eher den Bezug zum Fest der Allerheiligen herstellt.

An Samhain sind die Grenzen zur Anderswelt - so bezeichnen Wiccas und Hexen das Jenseits - besonders durchlässig. Daher ist dies eine gute Zeit, schamanische Reisen in diese Welt zu unternehmen, und füallerhand Orakel, bei denen die toten Ahnen befragt werden können.

Vorschläge für schöne Feste an Samhain
Wenn Sie dieses Fest feiern möchten, habe ich hier ein paar Vorschläge für Sie:

Für eine Gruppe:
Möchten Sie diesen Festtag nicht alleine begehen, so laden Sie Ihre Familie und all Ihre Freunde ein! Machen Sie eine richtig schöne Zusammenkunft daraus. Nur weil dieses Fest einen ernsten, und oft traurigen, Hintergrund hat, heißt das nicht, dass wir uns nicht amüsieren, lachen oder scherzen dürfen. Der Schwerpunkt dieses kleinen Rituals liegt auf dem Gedenken unserer Ahnen.

Besorgen Sie im Vorfeld eine große Menge Teelichter und auch viele Feuerzeuge oder Streichhölzer. Stellen Sie alles auf einen Tisch, in dessen Nähe sie sich aufhalten werden. Das Ritual beginnt mit einer kleinen Einstimmung, in der Sie erzählen können, dass Samhain
ein Fest der Toten ist und sie in dieser Nacht den Verstorbenen ihre Liebe schicken wollen, wo immer diese sich auch aufhalten mögen.

Sie beginnen das Ritual. Nehmen Sie sich ein Teelicht, und erklären Sie den anderen, für wen Sie es anzünden möchten. Wenn Sie wollen, erzählen Sie, soviel wie es Ihnen beliebt über diese Person, wie Sie zu ihr standen, was sie Ihnen gegeben oder beigebracht hat, wofür Sie sie
bewundert haben. Hören Sie in diesem Punkt ganz auf Ihr Herz. Wenn Sie alles vorgetragen haben, zünden Sie das Teelicht an und stellen es an einen sicheren (feuerfesten) Ort. Nun ist einer Ihrer Gäste an der Reihe. Und so verfahren Sie reihum, bis Sie wieder an der Reihe sind.
Und so geht es weiter und weiter, bis keiner mehr ein Licht zu entzünden hat.

Sie können übrigens auch verstorbenen Haustieren ein Licht entzünden, wenn Sie es möchten. Und Sie brauchen auch nicht alles laut vor allen preiszugeben, was Sie in dieser Nacht denken! Nennen Sie einfach nur den Namen des Verstorbenen, wenn Ihnen der Rest zu persönlich ist.

Nach diesem, doch sehr besinnlichen Abschnitt des Abends sollten Sie für eine ordentliche Mahlzeit, Musik und viel gute Laune sorgen.



Für eine einzelne Person:
Bereiten Sie sich einen kleinen Altar vor, auf den Sie eine schwarze oder dunkelblaue Decke ausbreiten. Stellen Sie im Raum einige Kerzen in schwarz, rot und orangefarben auf. Auf den Altar stellen Sie je eine Kerze in dieser Farbe. Legen Sie ein paar Granatäpfel zur Dekoration
auf den Altar und ein Glas Rotwein oder Traubensaft, wenn Sie keinen Alkohol trinken. Zünden Sie danach alle Kerzen an und genießen Sie eine Weile das Spiel der Flammen. Dann versuchen Sie, sich in eine meditative Stimmung zu begeben.

Schließen Sie Ihre Augen und atmen Sie gleichmäßig ein und aus. Jetzt stellten Sie sich vor, wie Sie vor einem dunkelblauen Vorhang stehen. Er bewegt sich leicht, als ob gerade jemand hindurch gegangen ist oder der Wind ihn leicht schwingen lässt. Konzentrieren Sie sich auf eine verstorbene Person, die Sie gerne Kontakten möchten. Dann schreiten Sie durch den Vorhang hindurch auf die andere Seite. Sie befinden sich nun in der Anderswelt, und alles liegt noch in dichten, wallendem Nebel verborgen.

Schauen Sie sich um, rufen Sie die Person, wegen der Sie gekommen sind. Erscheint Sie nicht, können Sie nach ein Weile wieder "zurückkommen". Wenn sie jedoch erscheint, können Sie sich mit ihr unterhalten. Am Ende des Gespräches kehren Sie durch den Vorhang zurück in unsere Welt.

Bleiben Sie noch einige Momente mit geschlossenen Augen sitzen, und verarbeiten Sie das eben Erlebte. Trinken Sie anschließend den Wein oder Saft und genießen Sie die Kerne der Granatäpfel. Sie sollten auch für die Verstorbenen eine kleine Schale mit Wein und einigen Keksen vor ihre Tür stellen.

Dies ist übrigens ein ganz alter Brauch, der noch auf vorchristliche Kulturen zurückgeht. Da in dieser Nacht der Schleier zwischen dem Jenseits und dem Diesseits sehr dünn sind, nahm man an, die Geister Verstorbener würden in dieser Nacht über die Erde wandeln. Man stellte Kerzen oder Lampen in die Fenster und vor die Türe, um den Toten den Weg zu weisen. Draußen hingestellte Lebensmittel sollten den Toten dann die nötige Kraft geben, ihren Rückweg ins Jenseits anzutreten.

Ich wünsche Ihnen ein fröhliches Samhain!
Blessed be!
Saphiro de Mabon

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Silver RavenWolf: Halloween –Feste & Rituale, Ullstein Verlag, ISBN: 3-548-74142-8
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18.9.06 12:28

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